Eisbaden boomt – was Sie wissen sollten

Immer mehr Menschen erklären im tiefsten Winter die Badesaison für eröffnet. Ein gesunder Kältekick, aber nicht für jeden.

Eisbaden macht in Gesellschaft mehr Spaß - und sicher ist es auch (Foto: adobe/KI/liz. BHÄV).

Die sozialen Medien wimmeln von unzähligen Bildern von Menschen, die mit verzückten Gesichtern in eisige Seen oder in eiswürfelgefüllte Zuber im Garten steigen. Kein Zweifel: Eisbaden oder Winterschwimmen liegt voll im Trend. Die Erfahrungsberichte überschlagen sich geradezu in der Aufzählung positiver Effekte auf Leib und Leben.

„Wissenschaftliche Beweise dafür, dass der Kältekick besonderen gesundheitlichen Nutzen mit sich bringt, gibt es dazu nicht“, sagt der Forschungsbeauftragte im Vorstand des Bayerischen Hausärztinnen und Hausärzteverbandes Prof. Dr. Jörg Schelling. Ein gesunder Mensch könne jedoch durchaus von dem Kältekick profitieren. Allerdings sei es ratsam, sich im Vorfeld in der hausärztlichen Praxis dazu beraten zu lassen.

„Bei bestimmten Vorerkrankungen ist von Eisbaden und Co unbedingt abzuraten“, so der Hausarzt. Als Beispiel nennt er Menschen mit Herzproblemen. Für sie seien schon allein die sinkenden Außentemperaturen genug Stress für den Körper, da sich bei Kälte die Gefäße verengen und das Herz dadurch das Blut gegen einen größeren Widerstand durch die Adern pumpen muss. Das bedeutet Dauerstress für den Herzmuskel.  Herzpatienten sollten daher bei Kälte generell starke Anstrengungen meiden und z.B. das Schneeschippen anderen überlassen. Die Kälteschockreaktion, die jeder beim Eintauchen des Körpers in kaltes Wasser verspürt, kann bei ihnen lebensbedrohlich werden. Das gilt auch für Asthmatiker, da schon allein kalte ihre Bronchien strapaziert, was zu Husten, Atemnot und Engegefühl führt. Die Kälteschockreaktion beim Eisbaden kann diesen Effekt noch verstärkten.

Dass der Kältekick grundsätzlich bei gesunden Personen ein Booster für das Immunsystem sein könnte, erscheint Prof. Dr. Schelling jedoch aus physiologischer Sicht durchaus nachvollziehbar. Denn kurzzeitige Stressreaktionen versetzen das Immunsystem in Alarmbereitschaft, wodurch Infektionen schneller und effektiver bekämpft werden können. „Und Kälte ist ein solcher Stressfaktor, der diesen Trainingseffekt auslösen kann“, sagt er. Auch werden beim Eisbaden im Körper Hormone freigesetzt. „Nicht nur Adrenalin. Auch der Serotoninspiegel steigt. Das erklärt die belebende Wirkung und die Glücksgefühle“, so der Experte.

Die wichtigsten Tipps für gesunden Winterbadespaß:

  • Um gefahrlos im kalten Wasser unterwegs zu sein, bedarf es einer guten Vorbereitung mit vorsichtigem Herantasten über einen längeren Zeitraum. Also: Nicht direkt im Hochwinter beginnen, sondern sich langsam an kühler werdende Wassertemperaturen gewöhnen. Für Einsteiger ist die langsame Steigerung mit kalten Duschen ratsam.
  • Eisbaden und Winterschwimmen sind Aktivitäten, die man aus Sicherheitsgründen niemals allein unternehmen sollte. Damit Notfall jemand zur Seite ist.
  • Vor dem ersten Eisbaden sollten Sie sich in ihrer hauärztlichen Praxis auf gesundheitliche Risiken untersuchen lassen. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kennt Sie schon lange und weiß über ihren Gesundheitszustand Bescheid, kann so gut einschätzen, ob Eisbaden oder Winterschwimmen für Sie geeignet sind. Wer an der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) teilnimmt, ist auch hier im Vorteil, denn es gibt häufigere Gesundheits-Check-Ups.  Je nach Krankenkasse haben HZV-Patientinnen und -Patienten jährlich oder zweijährlich darauf Anspruch. Falls Sie also noch nicht am HZV-Programm Ihrer Kasse teilnehmen, fragen Sie beim nächsten Besuch in ihrer hausärztlichen Praxis einfach nach.