Facharzttermine: Immer mehr Geduld gefragt

Patientinnen und Patienten müssen im Schnitt sechs Wochen darauf warten, eine Fachärztin oder einen Facharzt zu Gesicht zu bekommen. Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Linken-Anfrage hervor.

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Durchschnittlich dauert es in Deutschland inzwischen 42 Tage bis zu einem Facharzttermin. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 33 Tage. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband fordert angesichts der gestiegenen Wartezeiten Tempo bei den von der Politik angekündigten Reformen.

Wartezeit sorgt für Frust

„Obwohl wir in Deutschland eine verhältnismäßig hohe Facharztdichte haben, warten die Menschen teilweise sehr lange auf Termine. Gepaart mit den hohen Krankenkassenbeiträgen sorgt das bei vielen nachvollziehbarerweise für Frust”, erläutert die Co-Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth. Priorität müsse sein, dass die Menschen, die wirklich dringend einen Facharzttermin brauchen, diesen auch zeitnah erhalten. Bei nicht dringlichen Terminen könne und dürfe es auch einmal etwas länger dauern.

Primärversorgungssystem jetzt!

Entscheidend sei, dass das von der schwarz-roten Koalition geplante Primärversorgungssystem, in dem Hausärztinnen und Hausärzte als erste Ansprechpartner über die weitere Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten entscheiden, zeitnah ausgerollt werde. „Durch die bessere Steuerung werden in den Facharztpraxen Kapazitäten für die wirklich dringenden Fälle frei“, so Buhlinger-Göpfarth, die hinzufügt: „Dass das funktioniert, beweisen die Verträge zur Hausarztentrierten Versorgung, in denen ein Primärversorgungssystem bereits erfolgreich umgesetzt ist.“

Gut zu wissen: Was ist die Hausarztentrierte Versorgung (HZV)?

Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) – auch Hausarztprogramm genannt – ist ein sogenanntes Primärarztmodell auf freiwilliger Basis, an dem bereits mehr als zehn Millionen Versicherte teilnehmen. Angesichts einer älter werdenden Bevölkerung und zunehmender chronischer Erkrankungen wird eine koordinierte, effiziente und wohnortnahe Versorgung immer mehr an Bedeutung zunehmen. Genau hier setzt die HZV an: Die Hausärztin oder der Hausarzt fungiert als erste Anlaufstelle bei fast allen gesundheitlichen Anliegen. Dadurch werden Behandlungsabläufe besser koordiniert, unnötige Doppeluntersuchungen und nicht erforderliche Facharztbesuche vermieden und Krankenhausaufenthalte reduziert. Das steigert nicht nur die Qualität der Versorgung, sondern entlastet auch das Gesundheitssystem insgesamt.

Erkundigen Sie sich doch mal nach der HZV, wenn Sie das nächste Mal in Ihrer hausärztlichen Praxis sind.