„Im Zentrum eines gesteuerten Systems müssen die Hausärztinnen und Hausärzte stehen“ 

Dr. Wolfgang Ritter stellt Bayerns Gesundheitsministerin Ergebnisse der aktuellen HZV-Evaluation vor.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach und Dr. Wolfgang Ritter (Foto: stmgp)

Die Bundesregierung plant die Einführung eines verbindlichen Primärarztsystems – dass Hausärztinnen- und Hausärzte für diese Vision längst eine funktionierende Blaupause haben, erfuhr Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach beim Besuch des Vorsitzenden des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes (BHÄV) in ihrem Ministerium. „Aktuelle Evaluationen der Universitäten Heidelberg und Frankfurt belegen, dass die HZV nicht nur ein Vorbild, sondern ein etabliertes System für die hausärztliche Versorgung der Zukunft in Deutschland ist“, erklärte Dr. Wolfgang Ritter. Dabei verwies er auf die frisch veröffentlichten Ergebnisse einer wissenschaftlichen Bewertung der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in Baden-Württemberg. „Damit steht fest: Im Zentrum eines gesteuerten Systems müssen die Hausärztinnen und Hausärzte stehen.“ 

Das aktuelle Prüfungsergebnis zeige erneut die eindeutigen Vorteile der HZV gegenüber der Regelversorgung. „Die Zahlen belegen eine verbesserte Versorgungsqualität durch die Hausarztzentrierte Versorgung“, so Dr. Ritter.

Wesentliche Ergebnisse sind ein deutlicher Rückgang von Doppeluntersuchungen (über 1,3 Mio. weniger Facharztkontakte), knapp 25.000 vermiedene Krankenhausaufenthalte sowie höhere Impfquoten.  Darüber hinaus konnten von 2011 bis 2022 bei 119.000 Diabetikerinnen und Diabetikern mehr als 9.200 schwerwiegende Komplikationen vermieden werden, darunter rd. 700 Amputationen sowie ca. 4.800 Herzinfarkte und Schlaganfälle. 2022 gab rund 7.500 weniger Verordnungen potenziell ungeeigneter Medikamente für ältere Menschen ab 65 Jahren. „Diese bessere Versorgungsqualität wird seit Jahren bei geringeren Kosten erreicht“, so Dr. Ritter.

Dass die HZV nicht nur ein Vorbild, sondern ein etabliertes System für die hausärztliche Versorgung der Zukunft in Deutschland ist, zeigten auch die ersten Ergebnisse des Modellprojekts HÄPPI – „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“. HÄPPI ist ein Projekt des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention mit rund 650.000 Euro gefördert. Zum Abschluss der sechsmonatigen HÄPPI-Pilotphase hatte die Bayerische Gesundheitsministerin Gerlach einige der neun Modellpraxen besucht und fand die Erfahrungsberichte der Praxisteams offenbar überzeugend. „HÄPPI ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie moderne hausärztliche Versorgung heute gedacht werden kann: als starke Teampraxis mit intelligenten digitalen Lösungen. Genau solche innovativen Versorgungsstrukturen und neue Formen der Zusammenarbeit werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen“, lautet ihr Fazit zum Abschluss der sechsmonatigen HÄPPI-Pilotphase.