Vorab die gute Nachricht: Winterblues ist keine Krankheit. Mit einer Herbst- und Winterdepression, auch saisonal abhängige Depression (SAD) genannt, ist er nicht zu verwechseln. Ein Winterblues ist eine vorübergehende Beeinträchtigung der Stimmung. Eine (Winter-) Depression ist eine psychische Erkrankung. Zwar gehören auch ein höheres Schlafbedürfnis und gesteigerter Appetit zu ihren Symptomen. Doch im Unterschied zu einer SAD bleibt beim Winterblues die Genussfähigkeit erhalten. Wenn Sie also derzeit häufiger lustvoll ihren Snackattacken erliegen, ist das ein gutes Zeichen.
„Während die Winterdepression als ernst zu nehmende Erkrankung eine professionelle ärztlichen Begleitung benötigt, können Sie sich beim Winterblues meist selbst sehr gut helfen“, sagt der Hausarzt Dr. Oliver Abbushi, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin in München-Deisenhofen. Mit ein bisschen mehr Selbstfürsorge und gezielten Gegenmaßnahmen kann die vorübergehende Schwermütigkeit und Antriebslosigkeit gebessert werden.
Ein paar Tipps für bessere Laune
„Runter vom Sofa“, lautet sein erster Rat. Bei schlechter Stimmung zu Hause einzuigeln und auf dem Sofa zu versacken, ist keine gute Idee. Da das Stimmungstief oft durch einen Lichtmangel bedingt ist, ist es wichtig, so viel Tageslicht wie möglich abzubekommen. „Wenn möglich, sollte man täglich Spaziergänge unternehmen. 20 Minuten wirken schon Wunder", sagt Dr. Abbushi. Wer an der frischen Luft zudem noch etwas sportlicher unterwegs ist, kurbelt nicht nur den Kreislauf an, sondern auch die Ausschüttung von Glückshormonen.
„Sozialkontakte pflegen“ – lautet der zweite Rat des Experten. Mindestens ebenso wichtig für den Serotoninspiegel sind zwischenmenschliche Kontakte. Kinobesuche und andere Freizeitaktivitäten am besten mit Freunden oder Familie heben den Serotoninspiegel.
„Gesundes Essen macht gute Laune“, lautet der dritte Tipp. Denn auch ein Vitaminmangel kann sich auf das Wohlbefinden niederschlagen. Gegen den Winterblues helfen Lebensmittel, die Stimmungsaufheller wie Tryptophan, Omega-3, Vitamine (D, C, B) und Mineralstoffe liefern. Dazu gehören fetter Fisch wie Makrele oder Lachs, Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Eier, dunkle Schokolade und saisonales Gemüse.
Übrigens ist es im Normalfall nicht nötig, Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich zu nehmen. Der Mensch kann zwar Vitamin D mit der Nahrung aufnehmen. Doch den Hauptanteil des Tagesbedarfs an Vitamin D produzieren wir in der Haut unter Sonneneinstrahlung selbst. Auch wird das in den Sommermonaten im Überschuss gebildete Vitamin D in gewissen Mengen in Depots im Körper gespeichert, um in der sonnenarmen Jahreszeit für die Versorgung zu Verfügung zu stehen.
Wird das Stimmungstief jedoch immer schlimmer und dauert über längere Zeit an, sollte man seine Hausärztin oder Hausarzt aufsuchen. Sie könnten abklären, ob der Verdacht einer Winterdepression besteht oder vielleicht ein ganz anders Gesundheitsproblem dahinterstecken könnte. „Zum Beispiel kann sich auch eine Störung der Schilddrüse auf die Stimmung niederschlagen“, erklärt Dr. Abbushi. Auch bei einer Schilddrüsenunterfunktion gehören depressive Verstimmungen, Apathie, Interessenlosigkeit, schnelle Erschöpfung, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen zu den häufigen Symptomen. „Ein Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung sollte unbedingt in der hausärztlichen Praxis abgeklärt werden“, betont Dr. Abbushi. Bleibt sie unbehandelt, steigt das Risiko zu ernsthaft zu erkranken. Auch ein Mangel an den Vitaminen B12 und D sowie Magnesium, Eisen und Zink kann zu psychischen Beeinträchtigungen führen.
Noch eine gute Nachricht: In wenigen Wochen ist Schluss mit dem Winterblues. Am 20. März überquert die Sonne den Himmelsäquator, was den kalendarischen Frühlingsbeginn markiert. Mit der Herbst-Tagundnachtgleiche wird das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit wieder hergestellt, womit sich auch die Stimmung wieder ganz von selbst aufhellen dürfte.