Der 60. Geburtstag ist für viele Menschen kein Grund zum Feiern. So mancher glaubt, dass mit diesem runden Lebensjubiläum die biologische Büchse der Pandora geöffnet wird. Jetzt mal Hand aufs Herz: Verbinden Sie mit dem Alter Vorstellungen vom geistigen und körperlichen Verfall? Oder betrachten Sie diesen Lebensabschnitt eher optimistisch? Weil er z.B. mehr Freizeit und mehr Gelassenheit durch Lebensweisheit mit sich bringt?
„Wie Sie diese Frage beantworten, könnte eine entscheidende Rolle spielen, was tatsächlich auf Sie zukommt“, sagt die Allgemeinärztin Dr. Petra Reis-Berkowicz mit Blick auf das Ergebnis einer aktuellen US-amerikanischen Studie, die das Geheimnis guten Älterwerdens gelüftet hat und die verbreiteten Vorurteile vom Altern als unausweichlichem Niedergang geistiger und körperlicher Fitness eindeutig widerlegt. Stattdessen zeigt sie: Jenseits der 60 findet nicht zwangsläufig der biologische Verfall auf allen Ebenen statt. Vielmehr kann man geistige und körperliche Fähigkeiten sogar verbessern – sofern die Einstellung stimmt.
Dazu hatte ein Forschungsteam an der renommieren Yale School of Public Health mehr als 11.000 Teilnehmer kurz vor oder in ihren 60ern über 12 Jahre hinweg regelmäßig Tests unterzogen. Das Ergebnis: Bei überraschend vielen Probanden verbesserten sich die Testergebnisse im Verlauf der Studie. 32 Prozent schnitten bei den Gedächtnis-, Rechen und Denkaufgaben besser ab. Bei 28 Prozent nahm die Gehgeschwindigkeit zu – sie gilt in der Geriatrie als ein aussagekräftiger Indikator für Mobilität, Sturzrisiko und Lebenserwartung. Festgestellt wurde auch ein Zusammenhang zwischen dem Altersbild der Teilnehmenden und ihrem Fitnesszuwachs: Wer sich in einem Fragebogen zu Beginn der Studie positiv zum Älterwerden geäußert hatte, schnitt besser ab.
„Wie die aktuelle Studie zeigt, kann eine optimistische Einstellung zum Altern zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden“, sagt Dr. Petra Reis-Berkowicz. Aus ihrer hausärztlichen Praxis in Gefrees weiß sie, dass bei vielen das Thema Älterwerden mit Sorgen und Ängsten besetzt ist. „Uns Hausärztinnen und Hausärzte kommt eine zentrale Rolle dabei zu, in diesen Fällen Mut zu machen, Lebensfreude zu vermitteln und damit auch die Gesundheit zu fördern“, erklärt sie.
Diese sprechende Medizin wirkt so gut, weil Hausärztinnen und Hausärzte ihre Patientinnen und Patienten meist schon sehr lange kennen und daher ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht. Auch über ihren Gesundheitszustand wissen sie Bescheid. Schließlich können sie dieses Wissen durch regelmäßig durchgeführte Gesundheits-Check-Ups auf dem Stand der Dinge halten und frühzeitig Empfehlungen zu Prävention geben oder Therapien einleiten.
Durch eine Teilnahme an der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) tragen Sie dazu bei, dieses besondere Arzt-Patientenverhältnis zu stärken. Außerdem haben Sie auch - je nach Krankenkasse - jährlich oder zweijährlich Anspruch auf den Gesundheits-Check-Up. Falls Sie also noch nicht am HZV-Programm Ihrer Kasse teilnehmen, fragen Sie beim nächsten Besuch in ihrer hausärztlichen Praxis einfach nach.