Telefonische Krankschreibung: Warum sie sinnvoll ist

Seit über zwei Jahren ist die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) fester Bestandteil unseres Gesundheitssystems. Ebenso lange sprechen sich vor allem Arbeitgeberverbände für ihre Abschaffung aus. Sie bezweifeln, dass sich am Telefon zuverlässig beurteilen lässt, ob jemand arbeitsunfähig ist, und unterstellen ein hohes Missbrauchsrisiko.

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Dr. Markus Beier, Co-Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, widerspricht diesem Vorwurf entschieden: „Die aktuelle Kritik an der Telefon-AU basiert auf einem Märchen, das die Arbeitgeberverbände hartnäckig verbreiten. Alle bisherigen Studien bestätigen, dass die Telefon-AU nicht zu einem höheren Missbrauch bei Krankschreibungen führt. Insgesamt machen telefonische Krankschreibungen ohnehin nur 0,9 Prozent aller Krankheitsfälle aus. Statt strukturelle Versäumnisse anzugehen, treten die Arbeitgeber lieber mit absurden Anschuldigungen auf den Plan, die jeder belastbaren Grundlage entbehren.“

Laut Beier ist die telefonische Krankschreibung ein bewährtes Instrument zum Bürokratieabbau: „Sie entlastet unsere Praxen und schützt unsere Patientinnen und Patienten vor Ansteckungen im Wartezimmer. Sie ist kein regelfreier-Raum, wie gern behauptet wird.“ Er betont, dass ganz klare Leitplanken für die Praxen gelten, wann ein Patient telefonisch krankgeschrieben werden kann und für wie lange. So muss die Patientin oder der Patient in der Praxis persönlich bekannt sein, und die Krankschreibung darf maximal fünf Tage lang sein.

Aus Beiers persönlicher Erfahrung ist die richtige Einschätzung, ob jemand arbeitsunfähig ist, unabhängig davon, ob sie telefonisch oder in der Praxis erfolgt. „Die Fragen, die ich am Telefon stelle, sind die gleichen wie die in der Praxis. Wenn jemand mit einer Erkältung anruft und ich eine hohe Atemfrequenz wahrnehme oder von anhaltend hohem Fieber höre, bestelle ich die Person in die Praxis, weil dann eine körperliche Untersuchung notwendig ist. Und wenn jemand vor Ort über Kopfschmerzen klagt, nehme ich das genauso ernst wie am Telefon“, so Beier.

Wichtig für die telefonische Krankschreibung ist laut Beier die persönliche Arzt-Patienten-Beziehung. Kennt er eine Patientin oder einen Patienten – etwa mit einer bekannten Migräneerkrankung – bereits seit Langem, kann er die Situation gut einschätzen. Meldet sich ein anderer Patient hingegen beispielsweise wiederholt montags krank, kommt, so Beier, bei ihm eine „gesunde Skepsis“ auf. Das sei jedoch die absolute Ausnahme.

Tipp für Sie als Patientin oder Patient

Nutzen Sie die telefonische Krankschreibung verantwortungsvoll. Beschreiben Sie möglichst genau und sachlich, seit wann Sie Beschwerden haben und wie sich diese äußern – so kann Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt gut einschätzen, ob eine telefonische AU für Sie das Mittel der Wahl ist oder ob ein Praxisbesuch erforderlich ist.