Jedes sechste Kind, zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen leiden in Deutschland an Übergewicht, teils in sehr schwerer Form, was als Adipositas bezeichnet wird. Das ist einer aktuellen Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle zu entnehmen. Als eine Gegenmaßnahme empfiehlt die Akademie, stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel und Getränke auch in Deutschland zu besteuern. Entsprechende Abgaben hätten in anderen Ländern den Konsum von Zucker und zuckergesüßten Getränken nachweislich reduziert, heißt es in der Abhandlung. Tatsächlich belegen Studien, dass beispielsweise in England der Zuckergehalt in Getränken um 35 Prozent gesunken ist, seit die Produzenten dort eine Abgabe, gestaffelt nach dem Zuckergehalt, zahlen müssen.
Auch in Deutschland sei mit positiven Effekten auf die Bevölkerungsgesundheit und weniger krankheitsbedingten Versorgungskosten zu rechnen. Diese werden der Leopoldina zufolge auf etwa 2,6 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts geschätzt, was etwa 113 Milliarden Euro entspricht.
Zuckersteuer wäre klares Signal
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband sieht in einer Zuckersteuer ebenfalls einen guten Ansatz: „Viele sogenannte Volkskrankheiten – unter anderem Diabetes-, Adipositas- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – könnten beispielsweise durch weniger Zuckerkonsum deutlich reduziert werden. Das ist gut für die Patientinnen und Patienten und entlastet überdies das Gesundheitssystem insgesamt“, weiß Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands.
Leider werden stark zuckerhaltige Produkte häufig viel zu günstig angeboten und finden deshalb ihren Weg in den Einkaufswagen. Eine Zuckersteuer würde hier ein klares Signal in Richtung der Konsumentinnen und Konsumenten, aber auch der Herstellenden setzen, den Zuckergehalt zu reduzieren, so Buhlinger-Göpfarth.
Wichtig ist Buhlinger-Göpfarth dabei eines: „Die Steuereinnahmen, die über eine Zuckersteuer generiert werden, müssen auf jeden Fall wieder dem Gesundheitssystem zufließen – am besten in Präventionsmaßnahmen – und dürfen keinesfalls in den allgemeinen Steuereinnahmen versanden.“
Unser Tipp für Sie
Nehmen Sie doch die Fastenzeit zum Anlass, Ihr eigenes Konsumverhalten auf den Prüfstand zu stellen und darauf zu achten, wie viel Zucker in Speisen und Getränken enthalten ist. So weisen neben gängigen Süßigkeiten oft auch Fertiggerichte, Ketchup, Fertigsoßen, Fruchtjoghurts, Müsli und Konserven häufig große Mengen an „verstecktem“ Zucker auf. Auch eingelegtes Gemüse, zum Beispiel Gewürzgurken, enthält viel Zucker. Erfrischungsgetränke sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. So zeigt eine Marktstudie von foodwatch: Im Gesamt-Durchschnitt enthalten Erfrischungsgetränke mit Zuckerzusatz 7,5 Prozent Zucker. Das sind etwa 6 Stück Würfelzucker je 250-ml-Glas.
Wenn Sie Fragen zu Ernährung, Gewicht oder Stoffwechsel haben, wenden Sie sich einfach an Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt. Gesunde Ernährung ist ein wichtiger Teil unserer hausärztlichen Beratung – also, um beim Thema Essen zu bleiben, sozusagen unser täglich Brot …