Was hab‘ ich bloß? Viele Menschen fragen erst einmal den Chatbot. Laut einer aktuellen Umfrage nutzt bereits knapp die Hälfte der Befragten KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Copilot zumindest gelegentlich für Gesundheitsfragen.
Diesen Trend betrachtet Prof. Dr. Jörg Schelling mit gemischten Gefühlen. „Die neue Technologie bringt Vorteile, aber auch Risiken“, sagt der Hausarzt und Forschungsbeauftragte im Vorstand des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes in der aktuellen Folge des Gesundheitsgesprächs im Bayerischen Rundfunk (Link zur Webseite).
„Früher fragte man in solchen Fällen die Oma, heute suchen sich vor allem die jüngere Generation die Antwort durch Chatbots“, so Prof. Schelling. Bei einfachen Fragen, etwa zu Hautausschlägen oder Kopfschmerzen, liefern diese schnell hilfreiche Tipps. Zu den Vorteilen gehöre sicher auch, dass man jederzeit eine Antwort auf die Frage bekomme, ob ein echter Notfall vorliegt oder ein Besuch in der hausärztlichen Praxis am nächsten Tag ausreicht. Dass sei sehr hilfreich, insbesondere, wenn das Problem am Wochenende oder in der Nacht auftrete. Oder die Betroffenen lange Strecken bis zur nächsten Notaufnahme zurücklegen müssten. „Außerdem könnten sich gut informierte Patienten besser in das Arzt-Patientengespräch einbringen, was gemeinsame Entscheidungen auf Augenhöhe ermöglicht“, nennt er einen weiteren Pluspunkt.
Kehrseite der Medaille: Die Qualität der Chatbot-Informationen lässt massiv zu wünschen übrig. Das haben Studien festgestellt. „Jede dritte Antwort der KI ist erfunden“, weiß Prof. Schelling auch aus eigener Erfahrung. Bei der Vorbereitung von Vorträgen zum Thema Impfen habe er festgestellt, wie unzuverlässig das Modell arbeite. „Die KI greift oft auf veraltete Informationen zurück oder halluziniert schlicht“, so sein Eindruck. Das liegt daran, dass sie so programmiert ist, immer zu antworten – selbst, wenn sie dazu keine Daten hat.
Da die KI selbst gröbsten Unfug sehr überzeugend formuliert, müsse man auch als Experte ihre Antworten sehr aufmerksam und mit einer gesunden Portion Skepsis lesen, rät Prof. Schelling. „Für Laien ist es schwierig, die Qualität der Antwort richtig einzuschätzen. Deshalb kann sie bei ernsthaften Gesundheitsfragen auch nicht das Gespräch mit Ihrer hausärztlichen Praxis ersetzen.“ Ärztlichen Rat sollten Sie auch unbedingt einholen, wenn sie neue Diagnosen oder Therapien vorschlägt.
Gut zu wissen: Wenn Sie die PraxisApp „Meine hausärztliche Praxis“ auf ihrem Smartphone nutzen, haben Sie mit der Chat-Funktion einen direkten Draht zu Ihrer hausärztlichen Praxis.
Tipps für die KI-Nutzung
- „Keine Ahnung“ – das würde die KI nie zugeben. Deshalb sollten Sie jede ihrer Antworten skeptisch betrachten und auch andere Quellen nutzen. Im Zweifelsfall immer ärztlichen Rat einholen.
- Sind die Empfehlungen aktuell? Gerade in der Medizin wird viel geforscht und aktualisiert. Weil die Studien nicht immer frei im Netz verfügbar sind, hat die KI keinen Zugriff darauf. „Heraus kommen Empfehlungen aufgrund veralteter Daten“, hat Prof. Schelling selbst bei Recherchen zu Impfleitlinien festgestellt.
- Datenschutzrisiken beachten: Gesundheitsdaten sind sensible Informationen. Nicht jeder Chatbot bietet den gleichen Datenschutz. Wer diese KI-Anwendung nutzt, sollte sicher sein, dass eine datenschutzkonforme Lizenzlösung vorliegt.