Die Bundesregierung will die Regelungen zur Krankschreibung verschärfen: Wer krank ist und nicht zur Arbeit gehen kann, soll künftig ab dem ersten Fehltag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen. Auch die aus guten Gründen eingeführte telefonische AU soll wieder abgeschafft werden. Damit sollen hohe Fehlzeiten in Unternehmen gesenkt werden. Zumindest glauben das die Politiker der Regierungskoalition und der CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz. Für dieses Paket gibt es Kritik von allen Seiten. Auch Hausärztinnen und Hausärzte lehnen diese Pläne mit Empörung ab. „Das ist ein Misstrauensantrag gegenüber der Bevölkerung und den Hausärztinnen und Hausärzten“, ärgert sich die Allgemeinmedizinerin Dr. Petra Reis-Berkowicz.
Als Hausärztin mit eigener Praxis im fränkischen Gefrees und stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes kann Dr. Reis-Berkowicz die Pläne zur AU gut einschätzen. Sie hält sie für „grottenfalsch“. In einem TV-Interview mit dem BR wurde sie dazu sehr deutlich: „Der Bundeskanzler hat ja gleich zwei falsche Behauptungen aufgestellt: Er spricht davon, dass seit Corona die AUs zugenommen hätten. Nein: Seit Corona hat die Erfassung der AU zugenommen. Was wirklich zugenommen hat, sind die Arbeitsunfähigkeitstage der Langzeit- Erkrankten. Dies sind z.B. Menschen mit psychischen Erkrankungen oder auch Personen in Berufen, mit hoher körperlicher Belastung, die deswegen auch – je älter sie werden – öfter ausfallen.“
Sollte der Bundestag im Herbst der Abschaffung der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zustimmen, sieht sie das als deutlichen Rückschlag. „Alle reden von Entbürokratisierung, um die Praxen zu entlasten. Damit wird jedoch genau das Gegenteil erreicht. Das ist eine völlig absurde Situation“, kritisiert sie.
Durch die Abschaffung dieser bewährten Lösung wird gerade bei leichteren Kurzzeit-Erkrankungen eine unnötige zusätzliche Bürokratie in den hausärztlichen Praxen geschaffen, die enorme Ressourcen bindet. „Die Folgen sind längere Wartezeiten für die chronisch kranken Patientinnen und Patienten, die wirklich unsere medizinische Hilfe brauchen.“
Außerdem steigt auch das Ansteckungsrisiko, wenn Patientinnen und Patienten mit Wiesengrippe & Co die Wartezimmer füllen und dort ihre Keime weiterreichen, statt diese daheim kurz auszukurieren. „Die telefonische AU hatte diese unnötige Infektionsgefahr gut gelöst“, sagt Dr. Petra Reis-Berkowicz.
Es gibt also viele Gründe, die Pläne zur Verschärfung der Regelungen zur Krankschreibung nicht hinzunehmen. Mit der Teilnahme an der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) unterstützen Sie als Patientinnen und Patienten die Proteste Ihrer Hausärztinnen und Hausärzte gegen dieses Vorhaben der Regierung, das ihrer hausärztlichen Versorgung und ihrer Gesundheit schadet.
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