Nur vergesslich oder beginnende Demenz?

Auch bei der Abklärung dieser wichtigen Frage spielen Hausärztin oder Hausarzt eine große Rolle.

Die hausärztliche Praxis ist die erste Frühwarnstelle bei Demenzverdacht. (Foto: adobe/liz. BHÄV)

Vom 18. bis 27. September 2026 findet die Bayerische Demenzwoche statt. Sie macht auf eine Erkrankung aufmerksam, von der immer mehr Menschen betroffen sind. Doch finden nur wenige den Mut, darüber mit anderen zu sprechen.

Nur vergesslich oder beginnende Demenz? Auch bei der Abklärung dieser wichtigen Frage spielen Hausärztin oder der Hausarzt eine große Rolle. „Die hausärztliche Praxis ist die erste Frühwarnstelle bei Demenzverdacht“, sagt Dr. Josef Pömsl, Hausarzt im oberbayerischen Kaufering.

Dabei besteht die Hausarzt-Patientenbindung oft über viele Jahre hinweg. „Dieses Vertrauensverhältnis macht es Betroffenen und ihren Angehörigen auch leichter, sich bei ersten Anzeichen einer Demenz an ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt zu wenden“, so Dr. Pömsl.

Die Hausarzt-Patientenbindung besteht oft über viele Jahre hinweg und ist durch ein besonderes Vertrauensverhältnis gekennzeichnet. Damit fällt es auch leichter, über schambehaftete Themen zu sprechen, zu denen demenzielle Erkrankungen für viele Menschen gehören. Zudem kennen Hausärztinnen und Hausärzte in der Regel die Krankengeschichte ihrer Patientinnen und Patienten und können neu auftretende Symptome gut einschätzen.

Durch die Teilnahme am Hausarztprogramm, auch Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) genannt, wird diese besondere Beziehung noch gestärkt. Denn damit haben Sie Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt als ersten Ansprechpartner in allen Gesundheitsfragen gewählt, der den Überblick behält und Ihnen die optimale Versorgung bieten kann.

Bei Demenzerkrankungen ist das besonders wichtig, weil es sich um eine Krankheit mit vielen Gesichtern handelt. „Unter dem Begriff Demenz sind mehr als 50 verschiedene Erkrankungen zusammengefasst, die sich in Ursachen, Verlauf und Symptomen stark voneinander unterscheiden“ erklärt der Experte.

Neben der häufigen Alzheimer-Demenz kommen beispielsweise Funktionsstörungen der Schilddrüse, eine schwere Depression oder ein länger andauernder Missbrauch von Alkohol oder bestimmten Medikamenten als Auslöser in Frage. Auch Stress ist eine mögliche Ursache für eine sekundäre Demenz. „Auch solche sekundären Demenzen zu erkennen und zu behandeln, gehört zu den Kernaufgaben der hausärztlichen Medizin.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit machen die sekundären Demenzen etwa 10 Prozent aller Fälle aus und sind oft heilbar. Alzheimer – die häufigste Demenzerkrankung – ist dagegen nach derzeitigem Stand der Forschung nicht heilbar. „Dennoch ist es wichtig, auch in diesem Fall die Ursache möglichst frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln“, sagt Dr. Pömsl. Denn das verstörende Bild, das viele Menschen mit „Demenz“ verknüpfen, trifft schlimmstenfalls nur auf die letzte Phase einer Demenzerkrankung zu. Bis dahin können viele Jahre vergehen, die mit guter ärztlicher Betreuung und Unterstützung durch kompetente Beratungsstellen mit viel Leben und Lebensfreude erfüllt sein können.