Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Das gilt auch für den Kabinettentwurf für die Reform der Notfallversorgung in Deutschland. Insbesondere für die darin vorgesehene Verpflichtung von Hausärztinnen und Hausärzten zur 24 Stunden/7 Tage-Bereitstellung eines aufsuchenden Dienstes. Denn 24/7 bedeutet, dass sie sich auch zu den regulären Praxisöffnungszeiten auf den Weg machen müssen. Damit werden Hausärztinnen- und Ärzte, die diese Rund-um-die-Uhr-Hausbesuche erledigen müssen, in den Praxen fehlen. Betroffen sind ihre Patientinnen und Patienten, also auch Sie.
„Dieses Modell ist absurd: Anstatt die hausärztlichen Praxen zu stärken, werden sie mit einer 24/7-Notdienstverpflichtung zusätzlich belastet und aus ihren Praxen abgezogen, in der sie von ihren Patientinnen und Patienten gebraucht werden“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Dr. Petra Reis-Berkowicz. Außerdem sei eine solche Verpflichtung für die Versorgung in keiner Weise notwendig, da Hausärztinnen und Hausärzten sowie ihre Praxisteams schon jetzt während und nach den Praxisöffnungszeiten ganz regulär Hausbesuche übernehmen. „Die Betreuung von Patientinnen und Patienten in ihrem häuslichen Umfeld ist eine wichtige Aufgabe in der Allgemeinmedizin, und Hausbesuche gehören schon immer zu unseren Kernaufgaben“, betont Dr. Petra Reis-Berkowicz, die selbst als Allgemeinmedizinerin tätig ist. In ihrer hausärztlichen Praxis in Gefrees werden routinemäßig und kurzfristige krankheitsbedingte Akut-Hausbesuche täglich durchgeführt. „Wir versorgen täglich im Durchschnitt 120-150 Patientinnen und Patienten in unserer Praxis. An den Tagen, an denen sie in den telemedizinischen oder aufsuchenden Bereitschaftsdienst eingeteilt wäre, müsste sie die Praxis schließen und könnte nur einen Bruchteil der täglich anfallenden ambulanten Versorgung leisten. Diese vom Gesetzgeber aufoktroyierte absurde Parallel-Versorgung erweist den Patientinnen und Patienten einen Bärendienst!
Gut zu wissen:
Mit der Teilnahme an der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) tragen Sie zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung bei. Außerdem profitieren Sie von einem engen persönlichen Arzt-Patientenverhältnis, das Ihnen diese freiwillige Primärarztversorgung bietet: Weil die von Ihnen gewählte Hausärztin oder Ihr Hausarzt Ihres Vertrauens Sie und Ihren medizinischen Hintergrund schon lange kennen, können sie gut einschätzen, ob ein dringlicher Notfall vorliegt oder ein Besuch in der hausärztlichen Praxis die bessere Option ist.
Falls Sie also noch nicht am HZV-Programm Ihrer Kasse teilnehmen, fragen Sie beim nächsten Besuch in Ihrer hausärztlichen Praxis einfach nach.