Sparpläne in der Gesundheitsversorgung: Komplett falsche Richtung

Mit 57 Sparmaßnahmen auf 157 Seiten will Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) aus den tiefroten Zahlen holen. Zwar betont sie, dass dafür alle mitsparen müssen, aber die hausärztlichen Praxen trifft der Rotstift an empfindlicher Stelle. Das hat unter Umständen schwerwiegende Folgen, auch für Sie als Patientin oder Patient.

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Gesundheitsministerin Nina Warken betont immer wieder, dass sie ein sogenanntes Primärversorgungssystem in Deutschland einrichten will. Das ist so auch im Koalitionsvertrag niedergelegt. Ziel ist ein System, in dem vor allem Hausärztinnen und Hausärzte die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten sind, Behandlungen koordinieren und so für mehr Übersicht und Qualität sorgen, was im Endeffekt auch Kosten spart.

Genau dieses Konzept steckt hinter der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV): Die HZV ist ein seit fast 20 Jahren etabliertes Modell der Primärversorgung. Wer verbindlich an der HZV teilnimmt, wird über die Hausarztpraxis gesteuert – mit nachweislich besseren Behandlungsergebnissen, weniger unnötigen Untersuchungen und auch weniger Krankenhauseinweisungen.

Erkundigen Sie sich doch mal nach der HZV, wenn Sie das nächste Mal in Ihrer hausärztlichen Praxis sind.

Umso widersprüchlicher und unverständlicher ist es, dass Warken nun in das Erfolgssystem der HZV eingreifen möchte – also genau in das System, das die Primärversorgung eigentlich stärken soll. Konkret ist vorgesehen, die Vergütung für Hausarztpraxen zu kürzen, wenn die Zahl der eingeschriebenen Patientinnen und Patienten steigt. Das bedeutet im Klartext: Je mehr Menschen sich für eine koordinierte Versorgung entscheiden, desto weniger Geld bekommt die Praxis pro Person. Ein System, das politisch gewollt ist und wachsen soll, wird damit umso mehr ausgebremst, je erfolgreicher es ist. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband spricht deshalb zu Recht von „versorgungspolitischem Irrsinn“.

Was bedeutet das für Sie:

Wenn solche Pläne umgesetzt werden, würde ein bewährtes Versorgungsmodell geschwächt, das eigentlich gestärkt werden sollte. Und die Politik, die eigentlich sparen soll und will, riskiert am Ende genau das Gegenteil – nämlich schlechtere Versorgung und längere Wartezeiten bei steigenden Kosten.