Was bringen Nahrungsergänzungsmittel?

Viele greifen zu Pillen und Pülverchen, um ihrer Gesundheit Gutes zu tun.

Das Thema Langlebigkeit, heute oft als Longevity bezeichnet, ist auch in der Hausarztpraxis ein wichtiger Bestandteil der Beratung. (Foto: adobe/liz.BHÄV)

Das Wichtigste vorweg: So beliebt die Nahrungsergänzungsmittel sind, so überflüssig sind sie bei gesunden Menschen. „Mit einer ausgewogenen Ernährung ist unser Körper normalerweise mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt“, erklärt der Münchener Allgemeinmediziner Prof. Dr. Jörg Schelling. Was als teurer Spaß beginnt, kann schnell ernst werden. „Bei regelmäßiger Einnahme hochdosierter Supplemente steigt das Risiko für die Gesundheit“, warnt der Experte.

Hinzu kommt, dass Nahrungsergänzungsmittel rechtlich als Lebensmittel eingestuft werden und es daher kein behördliches Zulassungsverfahren gibt, bei dem Wirksamkeit oder Sicherheit im Vorfeld staatlich geprüft werden. Es reicht eine Registrierung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Was davon zu halten ist, zeigt das Beispiel von Produkten mit Zubereitungen der auch als asiatische Schlafbeere, indischer Ginseng oder Winterkirsche bekannten Pflanze, die als „Ashwagandha“ vermarktet werden. Beworben und verkauft werden sie als Mittelchen zur Leistungssteigerung und gegen Stress. Wissenschaftlich belegt sind diese versprochenen positiven Wirkungen allerdings nicht. Wohl aber gibt es Belege für die Gesundheitsrisiken. Wegen drohender Leberschäden und anderer erheblicher Gesundheitsrisiken hatten Gesundheitsbehörden explizit vor der Einnahme dieser Nahrungsergänzungsmittel gewarnt.

Vor diesem Hintergrund sieht eine Gruppe von Wissenschaftlern, Ärzten und Verbraucherschützern dringenden Handlungsbedarf, um Verbraucher vor erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsproblemen bei Nahrungsergänzungsmitteln zu schützen. Vom Gesetzgeber fordern die Experten u. a. eine kontinuierliche Prüfung von Rohstoffen und fertigen Produkten mit anerkannten Analysemethoden. Dies gilt insbesondere für Produkte mit sogenannten Botanicals, also Ashwagandha & Co.

„Gesund und möglichst lange zu leben, ist ein Wunsch, den wir alle teilen. Deshalb ist das Thema Langlebigkeit, heute oft als Longevity bezeichnet, auch in der Hausarztpraxis längst angekommen und ein wichtiger Bestandteil unserer Beratung“, betont Prof. Dr. Jörg Schelling. „Und seien wir ehrlich: Irgendetwas nimmt doch fast jeder ein – ob Vitamine, Magnesium, pflanzliche Präparate oder andere Nahrungsergänzungsmittel. Manche sprechen offen darüber, andere eher nicht. Dabei gibt es keinen Grund, das zu verheimlichen. Ganz im Gegenteil: Wir möchten ausdrücklich dazu ermutigen, solche Mittel in der Hausarztpraxis anzusprechen. Gemeinsam können wir prüfen, was tatsächlich sinnvoll ist, was möglicherweise schadet und worauf man getrost verzichten kann. Denn bei echter Langlebigkeit geht es nicht darum, möglichst viele Pillen einzunehmen, sondern möglichst viele Jahre gesund zu bleiben.“ In der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) sind Sie auch in dieser Frage auf der sicheren Seite. Denn hier haben Sie Ihren festen Ansprechpartner, der Ihren Gesundheitszustand sehr gut kennt und Ihren Bedarf auch hierbei gut einschätzen kann.